11 einfache Schritte zu perfekten Bildern auch ohne geldgeile Profifotografen

Hand aufs Herz, die meisten Fotografen sind einfach zu teuer. Sobald man die Preisliste sieht, klappt einem das Kinn bis zum Bauchnabel und man m√∂chte einfach nur noch fl√ľchten, aus Angst, f√ľr diese Auskunft auch noch blechen zu m√ľssen ( Fragen kostet doch nichts, oder? Oder?!)

Der Wunsch nach hochqualitativen Fotos ist bei Vielen gro√ü, denn ein Bild bleibt schlie√ülich f√ľr die Ewigkeit, und so jung und h√ľbsch kommen wir alle ja nicht mehr zusammen. Und dennoch, warum sollen wir unser letztes Hemd daf√ľr lassen?

Die Zeiten in denen „Fotograf“ noch ein echtes Handwerk war, sind mit der fortschreitenden Digitalisierung l√§ngst verschwunden. Analog ist was f√ľr Liebhaber (aka Spinner), moderne¬†Spiegelreflexkameras liefern geniale Ergebnisse und wirklich was k√∂nnen muss man daf√ľr auch nicht, schlie√ülich sagt dir die Kamera schon beim Durchsehen durch den Sucher, ob dein Bild richtig belichtet ist und wenn man es dann doch mal verkackt hat, gibt’s ja zum Gl√ľck noch das Allheilmittel Photoshop.¬†

Fazit: H√§nde weg von Fotografen, die f√ľr eine Hand voll Bilder mehrere hundert Euro verlangen!¬†

Der bessere Weg: Dr√ľckt doch lieber eurer besten Freundin oder eurem besten Freund eine Kamera in die Hand und lasst die ein paar Bilder von euch knipsen, die machen das schlie√ülich gerne und nehmen bestimmt kein Geld von euch.¬†Und mit ein paar einfachen Schritten, die ich euch gleich verraten werde, bekommt ihr so wundervolle Bilder in der gleichen Qualit√§t, wie sie euch der teure Profifotograf liefern w√ľrde!

Schritt 1: Man sagt zwar immer, es kommt nicht auf das Equipment an, aber wer fotografieren möchte, braucht auf jeden Fall mal eins: Eine Kamera!
Da ihr ja den Anspruch habt, hochqualitative Bilder zu machen, die später vielleicht sogar mal auf Leinwand oder Aludibond gedruckt werden sollen, ihr ja auch mal kreativ seid und bei Dämmerlicht oder in geschlossenen Räumen fotografieren wollt ( Hey, wenn wir schon ne Kamera anschaffen, soll die Freundin auch gleich meine Hochzeit mitknipsen und in so ner Kirche geht es ja eher um Erleuchtung statt Beleuchtung), wäre es schon sinnvoll, zu einer Vollformatkamera zu greifen. Am besten nehmt ihr ein gängiges Modell, nicht das teuerste, nicht das billigste, ihr nehmt eine Canon 5D MKIII, Kostenpunkt ca. 2700 Euro.
Eine Speicherkarte mit 16GB bekommt man f√ľr 8 Euro ja schon fast geschenkt.

Schritt 2: Ein Objektiv wäre gut.
Super, Canon bietet auch Johgurtbecher, Entschuldigung…Objektive f√ľr knapp 100 Euro an! Rein in den Einkaufswagen!

Schritt 3: √úben!
Gib deiner Freundin oder deinem Freund mal ein Wochenende, um sich mit der Bedienung vertraut zu machen und dann geht’s ab in den Wald f√ľr ein paar Probebilder!¬†
Hm, die Bilder sind alle verwackelt oder haben √ľberall kleine P√ľnktchen? K√∂nnte daran liegen, dass die Belichtungszeit zu lang war, oder der Iso im dunklen Wald in enorme H√∂hen geschossen ist? Was er falsch gemacht hat, wei√ü unser frisch herangez√ľchteter Fotograf leider nicht, eigentlich wei√ü er gar nicht WAS er √ľberhaupt gemacht hat, au√üer auf den Knopf zu dr√ľcken, Automatikmodus sei dank.¬†
Also erst mal ab nach Hause und in einschl√§gigen Foren nach L√∂sungen f√ľr euer Problem suchen. „Aktg√ľnter48-immer auf der Suche nach neuen Modellen“ schl√§gt vor, es mal mit Blitz zu versuchen, wenn die Belichtung nicht stimmt.

Schritt 4: Blitz kaufen.
Ihr habt¬†Gl√ľck und sichert euch dank Canon Cashback ein Speedlight f√ľr ca. 200 Euro, 20 Euro gibt’s auch noch wieder zur√ľck! Wieder was gespart, was man nicht dem Wucherprofifotografen in den Rachen stopfen muss!

Schritt 5: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung!
Und wieder geht’s ab in den Wald zum Testen und wieder stellen wir fest, dass die Bilder irgendwie kacke aussehen ( erst ging der Blitz nicht, dann ist der Wald zu dunkel oder das Gesicht ne wei√üe Fl√§che, was ist da los?!) Nun muss sich euer frisch gez√ľchteter Fotograf leider eingestehen, dass er keine Ahnung von Blitzen hat.¬†

Schritt 6: Fortbildung! Man lernt nie aus!
Die Buchhandlungen und das Internet sind voller Fortbildungsliteratur. „Richtiges¬†Blitzen“, „Kreatives Blitzen“, „Entfesseltes Blitzen“ ( Ne, also mit Fesseln haben wir nix am Hut, das √ľberlassen wir lieber „Aktg√ľnter48-immer auf der Suche nach neuen Modellen“). Ihr kauft¬†ein Buch f√ľr Einsteiger, Kostenpunkt ca. 30 Euro.
Eine Woche später hat euer Privatknipser das Buch durch, manches hat er verstanden, manches aber auch nicht und ein erneuter Testshoot zeigt: Da ist noch ordentlich Luft nach Oben! 
Diesmal macht ihr keine halben Sachen und schickt euren Privatfotografen zu einem Workshop von einem Wucherprofi ( lohnt mehr als ein Fotoshooting, immerhin kann euer Privatfotograf euch so oft ihr wollt fotografieren, sobald er erstmal verstanden hat, worum es geht), Kostenpunkt ca. 200 Euro.

Schritt 7: Was ist das Ziel und wie komm ich da hin?
Beim Profiworkshop hat euer Privatknipser vor allem eins mitgenommen: Erstmal richtig fotografieren lernen,¬†der Profi hat von irgendeinem „Manuela-Modus“ gesprochen, mit dem ihr euch zuallererst auseinander setzen solltet. ¬†Da das mit der Literatur ja nicht so toll geklappt hat und ein erneuter Workshop so langsam echt ins Geld gehen w√ľrde, schaut ihr mal bei Youtube ein paar Tutorials an. Nachdem ihr euch so ein paar N√§chte um die Ohren geschlagen habt und wieder und wieder die Bedienungsanleitung durchforstet habt, f√ľhlt ihr euch so langsam bereit, manuell zu fotografieren.¬†
Eure Waldtestbilder werden diesmal okay, euer Privatfotograf kämpft zwar immer noch etwas mit Bildschnitt und Lichtsetzung, aber wenigstens sind die Bilder scharf. Genauso wie der Hintergrund im Übrigen, wie kann das denn sein? (Wenn man nah rangeht ist doch auch alles Matsche, aber sobald man mal ein Ganzkörperbild macht, nicht mehr? Hääää? Kann nur an der Blende liegen? Oder an der Brennweite? Oder an beidem?! Oder ist der Abstand an sich schuld? Wenigstens der Iso ist dieses Mal unschuldig!)

Schritt 8: Nachbeabeitung: 
Wenn man beim Fotografieren versagt hat, kann man ganz einfach (fast) alles noch bei Photoshop retten. Die Creative Cloud gibt’s sogar schon ab ca.12 Euro im Monat, also 144 Euro im Jahr, ein Schn√§ppchen!
Dank „Weichzeichner“ k√∂nnt ihr euch so die fehlende Hintergrundsch√§rfe super nachtr√§glich einzeichnen! Sieht bl√∂d aus? Ihr spendiert eurem Privatknipser ein Webinar zum Thema Bildbearbeitung f√ľr Einsteiger, Kostenpunkt ca. 60 Euro. Der lernt nun jede Menge toller Sachen √ľber Ebenen, Kontraste, Gradationskurven, Tonwertkorrektur, vielleicht sogar etwas √ľbers Pickelwegstempeln (dann muss er wenigstens die Haut nicht mehr weichzeichnen, Gott sei Dank!), aber Weichzeichner auf den Hintergrund zu klatschen und die Person dann mehr oder minder gut auszumaskieren, erzielt immer noch nicht den gew√ľnschten Effekt.¬† Hm, wie w√§re es mit einem neuen Objektiv, das¬†euch das gew√ľnschte Ergebnis direkt „out of Cam“ liefert?

Schritt 9: Nachbessern
Der Johgurtbecher bringt es nicht mehr, ihr wollt ein Objektiv, dass¬†eine tolle Unsch√§rfe und ein zauberhaftes Bokeh liefern kann. Eine lange Brennweite und eine sch√∂ne Offenblende w√§ren ein guter Start. Ihr entscheidet euch f√ľr das 135mm 2.0 von Canon, der wunderbare Rotring kostet euch knapp 1000 Euro. Und wenn wir schon gerade dabei sind, bestellen wir auch gleich eine externe Festplatte dazu, so langsam qilt der PC n√§mlich √ľber mit Datein. Nochmal knapp 100 Euro.¬†

Schritt 10: Weiter √ľben
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, eure Bilder sind nun von technischer Seite aus ganz gut, bei Bildschnitt und Lichtsetzung hapert es immer noch, und so wirkliche Posingideen habt ihr auch nicht. Euer Privatknipser hat sich mittleriweile in die Thematik eingelesen und folgt einigen Fotografen online, Zeit ihn zu einem seiner Idole auf Workshop zu schicken, damit er lernt den angestrebten Stil besser zu kopieren, Kostenpunkt ca. 200 Euro.

Schritt 11: Feinschliff
Euer Privatfotograf wei√ü inzwischen eine Menge √ľber Fotografie und Bearbeitung, und auch, was er alles brauch, um an sein Ziel zu gelangen. Ihr kauft also noch ein paar Kleinigkeiten wie ein paar Sets an¬†Lightroompresets/Photoshopactions – ca. 500 Euro – und ein paar Licht-Wolken-wasauchimmer-Overlays – ca.50 Euro.

Tadaaa, fertig ist euer eigener Privatfotograf! Ihr m√ľsst ihn nicht bezahlen und k√∂nnt so viele Bilder haben, wie ihr wollt!
Mag ja sein, dass der Profifotograf etwas mehr Erfahrung, vielleicht sogar Talent hat, als euer Freund oder eure Freundin, aber so gehen die Bilder jetzt doch wenigstens in die richtige Richtung! Rechnen wir jetzt also mal zusammen, was uns der ganze Spaß gekostet hat:
2700  (Kamera)
      8  (Speicherkarte)
1100  (2 Objektive)
  180  (Blitz)
    30  (Fotobuch)
  460  (Workshops/Webinar)
  144  (Photoshop)
  100  (externe Festplatte)
  550  (Actions/Presets/Overlay-Schnickschnack)
———————
5.272 Euro insgesamt


Wie gut, dass euer Privatknipser nur Hobbyist ist und nicht noch weiteres Geld f√ľr Gewerbeanmeldung, Handwerkskammer,¬†Steuern f√ľr Vater Staat und private Krankenversicherung/Altersvorsorge¬†abdr√ľcken muss. Eine Webseite und Domain muss er auch nicht bezahlen und versichert ist sein Equipment zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht. ¬†Haben wir eigentlich schon √ľber einen graphikstarken Computer f√ľr die Bildbearbeitung gesprochen? Der m√ľsste dann √ľbrigens auch noch kalibriert werden, aber solange ihr eure Fotos bei DM ausdruckt, ist die M√ľhe eh f√ľr die Katz.¬†

Die ganze Zeit die ihr mit Herumprobieren, Rescherschieren,¬†Nachlesen und dann ultimativ auch f√ľr eine ordentliche Retusche verschwendet habt, kommt im √úbrigen noch hinzu, daf√ľr l√§sst sich nur schwer ein Wert ermitteln, daher hoffe ich einfach mal, dass euch das ganze wenigstens ganz dolle Spa√ü gemacht habt, sonst k√∂nnt ihr es n√§mlich leider unter „Verschwendete Lebenszeit“ abhaken.

Seid ihr geschockt von dieser Beispielrechnung? Ist euch das etwa immer noch¬†zu teuer? Dann versucht es doch mal bei einem netten Hobbyfotografen, da wei√ü man zwar nie, an wen man ger√§t, aber¬†der macht¬†es billiger, vielleicht sogar ganz umsonst, hey, Aktg√ľnter48 sucht schlie√ülich noch nach Modellen, nicht wahr? ūüėČ ¬†





DISCLAIMER:
In meinem Beitrag geht es nicht darum, Hobbyfotografen durch den Kakao zu ziehen, sondern lediglich darum,aufzuzeigen, was ein Fotograf alles bieten¬†muss, wenn er ein Fotoshooting anbietet. Meine Rechnung ist beispielhaft und enth√§lt bei Weitem nicht alle Kosten, die Fotografen tragen, vielleicht erlangt der eine oder andere so aber dennoch ein besseres Verst√§ndnis daf√ľr, wie die Preise¬†f√ľr Shootings zustande kommen.¬†
 

Comments on This Post
Julia

Dem ist nichts hinzuzuf√ľgen. Einfach klasse, ich hab mich k√∂stlich am√ľsiert =D

9. April 2019
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